Beitragsbild zum Blogpost "Demo! - Aber Sicher". Zu sehen ist der Titel des Blogposts in der Mitte, das Design ist in den typischen rot-schwarzen Antifa-Farben gehalten.

Demo! – Aber Sicher

Auf einer Demo kann es auch spontan mal wild werden, Situationen können sich schnell emotional aufladen. Dabei geht es nicht nur um die Auseinandersetzung mit Menschen, die den Demozug behindern und im Zweifel sogar körperlich angreifen. Es geht auch um die Polizei, die aus Menschen mit eigener Meinung, eigenen Vorlieben und einer ganz eigenen Vorstellung vom „braven Bürger“ besteht.

Unserer Erfahrung nach verlaufen die meisten Kundgebungen friedlich, aber es kann auch anders laufen. Deshalb haben wir für uns einige Hinweise als Merksätze formuliert, wie man sich selbst und seine Mitstreiter:innen schützen kann.

1. Lass das Handy zu Hause

Dein Handy verrät viel über dich. Alleine, dass sich dein Handy zu dieser bestimmten Zeit an diesem bestimmten Ort befunden hat kann ausreichen, dich in eine Schublade zu stecken, aus der du nie mehr rauskommst.

Obendrauf gibt es ein Gerichtsurteil, das es der Polizei erlaubt, eine Entsperrung per Biometrie zu erzwingen. Die Begründung dazu ist haarsträubend, aber leider realität. Also lautet Regel 1b: keine Biometrie auf dem Handy!

Für Notizen kann ein kleines, leeres (!) Notizbuch vorteilhaft sein. Beschreibungen, Telefonnummern, Kennzeichen, Gedächtnisprotokoll…

2. Parke weit entfernt oder gar nicht

Die Polizei fährt die umliegenden Parkplätze mit einer Videokamera ab und sammelt die Daten der abgestellten Fahrzeuge. Wieder die Situation, dass ihr für immer in einer Schublade landet. Gebt der Polizei nicht mehr Infos als nötig!

3. Seid nie alleine

Nicht nur die Begegnung mit Faschos aller Art kann alleine schnell ins Auge gehen, auch eine Zeit im Polizeibulli oder auf der Wache kann aufreibend sein. Nicht nur für euch, sondern auch für die Menschen, die sich Sorgen machen.

Eine Begleitung, wenn auch nur als Zeuge, kann euch und anderen viele Sorgen ersparen. Sorgt immer dafür, dass euer Demo-Buddy weiß, wo ihr seid.

Es ist auch gut, die gesamte Zeit zusammen zu bleiben. Startet gemeinsam, geht gemeinsam und verlasst die Veranstaltung gemeinsam. So kann niemand danach noch abgefangen werden, wenn es niemand mehr mitbekommt. Außerdem könnt ihr so während der Veranstaltung schwerer auseinandergedrängt werden.

4. Achtet auf eure Umgebung

Körperliche Angriffe auf Demoteilnehmer:innen kommen immer häufiger vor. Entreißen von Flaggen und Transparenten, ein schneller Schlag oder Tritt und die Angreifer sind wieder weg. Seid euch immer eurer Umgebung bewußt!

5. Klappe halten

Habt euren Ausweis dabei, sonst nichts. Ihr seid zu Angaben zu eurer Person verpflichtet. Verweigert ihr das, ist ein Ausflug auf die Wache wahrscheinlich. Außer eurer Identität müsst ihr aber nichts preisgeben. Einfach nicht antworten, keine Tricks versuchen. Die Menschen, die euch da befragen, wissen was sie tun!

Niemand muss irgenwas sagen. Nicht als beschuldigter, nicht als Zeuge oder sonstwas.

6. Notfallkontakte

Habt mindestens eine Telefonnummer eines Erreichbaren Kontakts auf dem Arm (Demo Organisatoren?). Die Rote Hilfe wird wahrscheinlich erst im Nachhinein aktiv, wenn es eine Strafanzeige gibt oder ihr länger als Nötig festgehalten werdet. Werdet ihr auf die Wache transportiert, dürft ihr telefonieren. Lasst eure Mitstreiter:innen wissen, was mit euch ist und wie sie euch helfen können. Gibt es für die Demo einen Ermittlungsausschuss, ist auch dessen Kontakt hilfreich.

7. Versorgung

Je nach zu erwartendem Aufwand ist ein Energieriegel und eine Flasche Wasser von Vorteil. Aber bleibt nüchtern, kein Alkohol und keine Drogen! Wenn du nicht klar bei Verstand bist, gefährdest du dich und andere.

8. Keine Waffen

Klingt logisch, aber man vergisst schon leicht ein kleines Taschenmesser im Rucksack oder ähnliches. Griffbereit sollte ein Taschenmesser sowieso nicht mehr transportiert werden, sonst gibts mit etwas Pech bald eine Anzeige. Passive Bewaffnung ist übrigens auch nicht erlaubt, also auch keine Schutzausrüstung, die dich vor Schlagstöcken, Fäusten in Kampfhandschuhen und ähnlichem schützen könnten. Wir sollen doch die Künste der Exekutive in vollen Zügen genießen können.